Mittwoch, 15. Juni 2011

Elefanten, Nilpferde, Krokodile und eine Bootsfahrt auf dem Volta Part 2

Naechstes Ziel nach Larabanga, war Wa in der Upper West Region. Eine Region, wo nicht so viel Touristen hinfahren. Nach einem eintagigen Aufenthalt in Wa, fuhren wir nach Wechiau zu den Flusspferden. In Wechiau gab es ein recht organisiertes Touristenbuero das zuerst geschlossen war, aber nach dem die Nachricht von zwei gesichteten Obrunis die Runde gemacht hatte doch relativ schnell geoeffnet war. Es gab sogar eine richtige Preisliste von den Touren die die Bevoelkerung anbot. Das Hippo Sanctuary wird naemlich von der Gemeinde von Wechiau gefuehrt.

Lore und ich wir entschieden uns fuer eine Kanutour und einer Uebernachtung auf einem Baumhaus. Auf der Kanufahrt sahen wir dann auch die Hippos. Auch wenn man nur die Schnauzen der Flusspferde sehen konnte – tagsueber sind die Flusspferde nur im Wasser; nachts kommen sie an Land um zu grasen – war es dennoch eindrucksvoll.

Bloederweise wurde Lore krank waehrend der Uebernachtung auf dem Baumhaus und wir konnten es nicht mehr ganz so geniesen.

Am naechsten Tag fuhren wir sofort wieder nach Wa, da es Lore immer schlechter ging. Insgesamt blieb ich 6 Tage mit Lore in Wa. Als es ihr wieder besser ging entschied sie sich zurueck nach Sunyani zu gehen. Also bin ich alleine nach Bolgatanga weitergereist.

Auf der Busfahrt traf ich Comfort mit ihrem 3 Wochen alten Baby. Als wir aus dem Bus stiegen bot sie mir an, dass ich bei uebernachten koenne solange ich in Bolga bin.

Zuerst schliefen wir im Haus ihres Vaters und ihrer Mutter. Dort wurde ich erst mal mit Essen und Geschenken ueberhaeuft. Comforts Vater erklaerte mir, dass er zwar nicht viel habe, aber es sei in ihrer Kultur Tradition den Gaesten aus Dankbarkeit Geschenke zu geben; und uebergab mir mit diesen Worten einen Fugu (eine traditionelles Baumwolloberteil) und eine in Bolga von Stamm der Frafras angefertigte Ledertasche. Ich hoffe mal, dass es kein Krokodilleder oder so was ist. Dann habe ich naemlich ein Problem mit dem deutschen Zoll.

In Ghana ist es naemlich so, dass es eine Ehre fuer Jeden ist Gaeste zu haben. Man wuerde sein Gesicht verlieren, wenn ein Gast nicht gluecklich waere. Und wenn der Gast dann auch noch weiss ist, also jemand besonderes ist und das Ansehen des Gastgebers erhoeht, macht man in ghana fast alles, damit dieser zufrieden ist.

An meinem ersten Tag in Bolga bin ich durch die Strassen von Bolga gelaufen und habe mir das Craftscenter angeschaut.

Bolgatanga ist die Heimat des Frafravolkes, das fuer seine handwerklichen Faehigkeiten sehr bekannt ist. Im Craftcenter verkaufen sie fuer die Touristen ebendiese Produkte, die die Handwerker der Frafras herstellen. Das sind Koerbe, Lederwaren, Holzfiguren, Wandmalereien(also das verkaufen sie nicht =)), …

Danach ging es zum Museum. Ja, ich war auch sehr erstaunt, dass Bolga ein Museum hat. Die Daueraustellung handelte von den verschiedenen Völkern und ihren Lebensweisen rund um Bolga. Die Umgebung um Bolga ist beruehmt fuer seine ethnologische Vielfalt.

Am naechsten Tag bin ich dann nach Navrongo. Dort steht ein Kathedrale die von weisen Moenchen erbaut wurde und von den Frauen der Einheimischen mit Wandmalereien verziert wurde. In den Kulturen des Nordens von Ghana ist es ueblich dass die Maenner die Haeuser bauen und die Frauen die Wander verzieren. Das Interessante bei dieser Kathedrale ist, dass die Wandverzierungen zwar im Typischen Stil der Frafra gehalten wurden, aber christlich Motive zeigen; wie zum Beispiel das Abendmahl. Als ich wieder zur Taxistation laufen wollte, um ein Taxi zu meiner naechsten Station, Paga, zu nehmen, hielt ein ­Mofa, auf dem ein eigentlich ganz netter Mann sass, an und ich wurde gefragt: „Do you wanna have a ride?“ 20 minuten unter der prallen afrikanischen Sonne laufen oder 10 Minuten auf nem Mofa. Ja, ich habe das Mofa genommen. Aber erzaehlt es ja nicht AFS…

Leider habe ich den Namen von dem netten Mann vergessen, also nenne ich ihn jetzt einfach Mann, um es einfach zu halten. Also Mann fragte mich, wo ich denn hin wolle und ich sagte ihm, dass ich noch nach Paga und Nania wolle; zu den Krokodilen und dem historischen Sklavenmarkt.

Mann bot mir sofort an mich hinzufahren. Ich war zuerst etwas abgeneigt und fragte ihn ob er mich kostenlos hinfahren wuerde. Und wenn nicht naehme ich lieber ein Taxi.

Die meisten Ghanaer sehen in einem Weissen Menschen nicht nur einen Menschen, der einfach eine andere Hautfarbe hat, sondern auch eine Geldquelle, die NIE versiegt.

Mann versicherte mir, dass so nicht jeder Ghanaer sei.

Na ja…

Also nahm ich das Angebot an und es ging weiter nach Paga, wo die Krokodile in einem Tuempel mitten in dem Dorf wohnen. Fuer die Dorfbewohner sind diese Krokodile heilig und werden fuer die wiedergeborenen verstobenen Vorfahren gehalten. Oder so was aehnliches. Die Sagen und Mythen der Ghanaer sind manchmal etwas schwer zu verstehen fuer einen westlich denkenden Menschen.

Ich kaufte dort ein Huhn und dann brachte uns der Fuehrer auch schon zu dem Tuempel. Die Krokodile kamen schon aus dem Wasser. Bevor der Fuehrer das Huehnchen den Krokodilen zum Fras vorwarf, wurde ich aufgefordert doch den Schwanz eines Krokodiles zu halten, waehrend ein Foto von mir gemacht wurde. Ich sage euch, so eine Heidenangst hatte ich schon lange nicht mehr. Und dann hat der Typ auch noch sooo lange gebraucht, um mit meiner Kamera ein Foto zu machen. Ich bin erst mal in sichere Entfernung gegangen nachdem ich abgelichtet wurde. Zum Glueck haben sie das Huehnchen erst danach den Krokodilen gegeben. Wenn ich vorher gesehen haette, wie schnell so ein Krokodil sein kann, haette ich mich das nie getraut!

Von Paga aus ging es dann weiter nach Nania, einem kleinen Dorf. In Nania gibt es einen historischen Sklavenmarkt, der nicht von europaeischen Sklavenjaegern errichtet wurde. Sondern von drei grossen Sklavenjaegern, die ihre eigenen Brueder und Schwestern als Sklaven an die Weissen verkauften. Bevor das geschah, sammelten sie die Sklaven eben in Nania, und brachten sie dann an die Kueste, von wo sie dann nach Amerika verschifft wurden.

Heute kann man noch die Mulden im Stein sehen, in denen wahrscheinlich gegessen wurden, den Friedhof wo sie tote Sklaven begruben und den Folterstein. Den Rest, den mir mein netter Fuehrer erzaehlte, entspringt, glaube ich, eher der Fantasie als der Wahrheit.

Ghanaer lieben es Geschichten zu erzaehlen. Dabei ist es nicht wichtig, ob sie wirklich wahr sind oder nicht. Sie werden einfach fuer wahr befunden. Also kurz gesagt, hier wird gelogen, bis sich die Balken kruemmen.

Als wir am Ende unserer Tour durch den Sklavenmarkt waren, war es immer noch Vormittag und ich hatte noch genuegend Zeit, um nach Bolga zurueck zu kehren. Also fragte ich den lieben Mann, ob wir vielleicht noch an den Tono-Stausee fahren koennten. Mann sagte ja und los fuhren wir.

Auf der Fahrt sind wir durch viele Doerfer gefahren die ohne fliesend Wasser und Elektrizitaet waren. Hier hatte ich wirklich das Gefuehl in Afrika zu sein. Auch mit der kargen Savannenlandschaft. Obwohl es deutlich aermer aussah als der Sueden Ghanas, war es eine wunderschoene Landschaft.

Am Tono-Stausee wurde ich dann von der Ueppigkeit der Vegetation ueberrascht. Mein Fuehrer erzaehlte mir der Tono-Stausee wurde in den 80ern erbaut. Und das es wahrscheinlich ohne ihn 50% weniger Agrarwirtschaft (um Bolga) gaebe.

Kurz vor Navrongo teilte mir Mann mit, dass das Benzin leer sei.

Mich ueberkam eine leise Vorahnung…

Und tatsaechlich: Mann sagte mir bevor er mich zum Taxistand fahren koenne muss er noch tanken. (Die Vorahnung wurde immer staerker.) An der Tanstation schaute Mann dann verzweifelt in seine Taschen. (Ich konnte schon die Frage auf seiner Stirn lesen.) Mann erzaehlte mir, er habe kein Geld mit sich. Es sei bei sich zu Hause. Ich sagte ihm, dann solle er doch geschwind nach Hause fahren. Ich warte hier. Mann antwortete, dass sei aber sehr weit entfernt und sah mich fragend an. Die Tankwaerterin hielt bereits den Schlauch in der Hand und sah mich ebenfalls fordernd an. Nach dem Motto, ich bin die Weisse und habe doch genuegend Geld um einem Schwarzen einen Tank zu zahlen. Eigentlich haette ich kein Problem gehabt den Tank zu zahlen. Aber wenn mir Mann vorher erzaehlt er wuerde mir die Fahrt kostenlos geben und mich nicht hinterher nach Geld fragen, es durch eine offensichtliche Luege, dann doch macht, dann habe ich ehrlich gesagt nicht so viel Lust 5 Cedis zu zahlen.

Schlussendlich habe ich dann doch 4 Cedis gezahlt.

Typisch Ghanaer!

Am naechsten Tag bin ich von Bolga aus nach Sirigu gestartet, ein Dorf in der Naehe von Bolga. Dort kann man besonders gut die Lehmarchitektur bewundern, die typisch fuer die Haeuser im Norden sind. Zwar hat jedes Dorf und jedes Volk noch mal andere Bauweisen, aber im Grossen und Ganzen werden die Hauser im Norden hauptsaechlich aus Lehm gebaut.

Als ich wieder in Bolga war und merkte, dass es gerade erst mal 12 Uhr war, entschied ich mich noch nach Bawku zu fahren, das an der Grenze zu Burkina Faso lag. Die Fahrt (2h) war wunderschoen. Man merkte richtig, dass man naeher an die Sahelzone kommt. In Bawku fuehlte ich mich dann aber doch nicht so wohl, also stieg ich aus dem Trotro und stieg gleich wieder in das naechste Trotro zurueck nach Bolgatanga.

Und am naechsten Tag musste ich auch schon wieder weiter nach Tamale. Dort uebernachtete ich eine Nacht und fuhr am naechsten Morgen weiter nach Salaga. In Salaga solle es ebenfalls einen historischen Sklavenmarkt geben, laut meinem Reisebuch. Also ich habe das Schild auf der Trotro-Station gesehen: Historical Slavemarket Salaga. Das wars dann aber auch schon.

Ghana!

Am naechsten Morgen ging es dann wieder weiter nach Makango. Dort nahm ich ein Kanu um den Voltariver zu ueberqueren (18km) um nach Yeji zu gelangen. In Yeji kaufte ich Proviant ein und dann hiess es erst ein mal warten, warten, warten.

Abends um 23 Uhr kam sie dann endlich: die Yapei Queen. Davon aber das naechste Mal.

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