Gestern ist es passiert.
Am 13. Juli 2011 war ich genau 6 Monate hier. Meine Halbzeit ist angebrochen.
So ganz kann ich es selber auch noch nicht glauben. Ich kann es nicht fassen, dass ich schon 6 Monate hier sein soll. Auf der anderen Seite kommt mir Deutschland aber auch so weit entfernt vor. Manchmal passiert mir es mittlerweile, dass ich bemerke wie mir –ich nenne es jetzt einfach mal so- „deutsche Sachen“ entfallen. Dass ich kleine Sachen vergesse, wie bestimmte Handhabungen oder wie man in Deutschland gruesst oder sich anderen gegenueber verhaelt … Ich vergesse es natuerlich nicht ganz. Aber ich merke wie sehr ich mich hier an das Leben schon angepasst habe.
Ueber all die Heiratsantraege, die mich am Anfang schon sehr irritiert haben und auch genervt, kann ich jetzt eigentlich nur noch lachen.
Aber nun zu Alafya: Ma Gerdy, meine Chefin, hat seit letztem Monat eingefuehrt, dass wir all die Geburtstage unserer Kinder mit einer kleinen Geburtstagsfeier gebuehrend zelebrieren.
In Ghana, muss man dazu sagen, ist es nicht ueblich Geburtstage zu feiern. Das hohe Alter an sich wird SEHR geschaetzt und geehrt, aber der Geburtstag an sich ist einfach nur ein Tag wie jeder andere. Man wird einfach nur ein Jahr aelter.
Es ist auch nicht ueblich Geschenke zu bekommen.
Manche Familien feiern zwar die Geburtstage, weil sie den westlich Lebensstil adaptieren.
Mein Geburtstag verlief auch sehr ruhig – fuer europaeische Verhaeltnisse. Abends haben mir Martin und Hannah einen Kente (ein traditionell gewebter Stoff aus Ghana) und zwei Karten ueberreicht. Danach haben wir Kindersekt getrunken. Als Hannah und Martin Geburtstag hatten, war ich die einzige, die den beiden ein Geschenk gegeben hat. Ich glaub der Rest meiner Familie hat ihnen noch nicht mal gratuliert.
Was ebenfalls noch erzaehlenswert ist: wenn man Geschenke bekommt, hier in Ghana, dann werden diese nicht vor den Augen des Gebers aufgemacht. Man nimmt sie in sein Zimmer und wenn man alleine ist und Zeit hat oeffnet man sie fuer sich alleine. Bei der Uebergabe bekommt man dann eher ein schlichtes Danke zuhoeren. Am Anfang, als ich noch nicht so wusste wie das alles hier so funktioniert, war ich doch etwas irritiert. Ich hielt es zuerst fuer Unhoeflichkeit. Dabei ist es eher einfach nur eine andere Auffassung von Geben und Nehmen. So wie ich das alles hier so auffasse, wird hier oefters und selbstverstaendlicher etwas gegeben. Also nimmt man es auch viel oefters und selbstverstaendlicher. Wenn jemand etwas in einer Familie besitzt, gehoert es nicht nur demjenigen. Denn eigentlich gehoert es der ganzen Familie. Das habe ich bis jetzt so begriffen.
Aber nun wieder zu Alafya: Ma Gerdy hat also beschlossen diese westliche Tradition des Geburtstagsfeiern einzufueheren.
Eine Geburtstagsfeier laeuft meistens folgendermaßen ab:
So zwischen 2 und 3 Uhr am Nachmittag kommen alle Kinder an den Tisch und wir fuellen Teller mit Keksen und kleinen Donuts und sonstigem Knabberkram und stellen diese dann auf den Tisch. Dazu schenken wir Cola oder Fanta fuer die aeltern Kinder ein und Saefte fuer die Juengeren. Dann singen wir Happy Birthday und uebergeben die Geschenke. Danach git es dann Obstsalat (geschnittene Ananas und Banane) mit Eiscrem. Und dann wir erst mal wieder saubergemacht.
Im Grunde ist es nur eine ganz kleine Feier; aber die Kinder sind jedes Mal uebergluecklich.
Aber nun ein paar Fotos…
Vom 22. bis zum 26. Juli habe ich dann mein Midstay-Camp mit AFS. Wir werden irgendwohin reisen. Darauf bin ich schon echt gespannt. Auch um die anderen 3 aus meiner Gruppe wieder zu sehen und zu hoeren, was sie denn so erlebt haben.
Mannomann, ich kann es wirklich nicht fassen dass ich schon in meiner Halbzeit sein soll.
Viel Spass beim Foto anschauen und bis zum naechsten Mal!
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