Donnerstag, 27. Januar 2011

Akwaaba, Obruni!

Akwaaba, obruni heißt so viel wie „Sei Willkommen, Weißer Mensch!“.

Das war einer der ersten Sätze, die wir hier in Ghana gehört haben.

„Wir“ sind Benjamin, Jonas, Svea und ich. Drei Volunteers aus Germany, die für genau 12 Monate nach Ghana gehen.

Neben den freundlichen Menschen begrüßte uns auch der Harmattan. Ein Wind, der während der Trockenzeit vom Norden (aus der Sahara) kommt und viele Sandkörner mitbringt, sodass man durch den „Dust“ den Himmel nicht sieht und einem die Haare schneller austrocknen, als dass man 3 zählen kann.

Da haben die 4 Obrunis schon gestaunt als sie aus dem Flugzeug stiegen und alles „nebelig“ vorfanden. Wie im Herbst in Deutschland.

Vom Flughafen wurden wir von einem AFS-Mitarbeiter (Paul) abgeholt und zum AFS Büro in Accra gebracht. Und dann wurde erstmal gewartet. Einer der Dinge die man hier ganz, ganz schnell lernt: WARTEN.

Irgendwann stellte man uns Plastiktüten auf den Tisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit, haben wir rausgefunden, dass das Essen in diesen Plastiktüten für uns bestimmt war.

So eine andere Sache, finde ich zumindest, auf die man sich hier schnell einstellen sollte, nicht zu erwarten, dass man von irgendjemandem hier einen Überblick bekommt.

Irgendwann hieß es, wir gehen ins Pink Hostel.

Am nächsten Tag ging es um 8 Uhr weiter mit dem Frühstücken, dem On-Arrival und natürlich dem Warten!

Nach dem Frühstück wurden wir von dem AFS Bus wieder ins AFS Büro gefahren wo wir an so etwas ähnlichem wie einem Seminare teilnahmen. Uns wurde zum Beispiel erklärt wie man so in Ghana lebt. Man erklärte uns wie man sich begrüßt, wie man die Transportmittel (TRO-TROS/ Shared Taxis/ Dropping Taxis) nutzt, das Familienleben, wie man handelt,… wir sind sogar auf den Markt gegangen; um das Gelernte auch auszutesten und einen ersten Überblick (Ja ich war erstaunt!) über Accra zu bekommen.

Unter anderem haben wir heiratswillige Männer abgewehrt, Menschen geantwortet, die uns Obruni nannten und sind Taxi gefahren.

Wenn einem Obruni nachgerufen wird, ruft man am besten „Obibini“ zurück. Das heißt so viel wie Schwarzer Mensch.

Eigentlich lachen dann alle, weil die das so lustig finden. Den Humor hier verstehe ich auch noch nicht so ganz. Aber ich habe ja noch 12 Monate Zeit!

Dann war der Tag auch schon vorbei und wir fielen müde ins Bett. Na ja zumindest ich!

Der nächste Tag (15.01.2011) war sogar fast noch besser. Wir hatten wieder ein paar Seminare. (Hygiene und Gesundheit, Religion in Ghana, Young Adult Living in Ghana,…)

Wir haben unsere Visa verlängert, sind in Accra umhergeirrt auf der Suche nach einem Bankautomaten, an dem man mit Maestro abheben kann. Natürlich gab es so was nicht. Deshalb wurden wir (alle Obrunis, insgesamt 11) kurzer Hand in ein Tro-Tro verfrachtet und Irgendwohin gefahren. (Ich erinnere daran, dass man hier selten einen Überblick erhält.)

Obwohl der Motor des Öfteren mitten auf der Straße beinahe abgesauft wäre und uns der Fahrer im Preis bescheißen wollte, sind wir gut an unserem Ziel angekommen: einer MALL!

Ich habe es zuerst nicht glauben können. Das war richtig strange in dieser Mall umherzuirren. Dort gab es alles, Bankautomaten für Maestro, Kleiderläden, Fast-Food-Ketten, Fotostudio, Supermärkte, wie wir sie in Deutschland kennen,… es gab einfach alles.

Es war schön, aber irgendwie habe ich mich da nicht so wohl gefühlt. Ich hatte das Gefühl mehr in den USA gelandet zu sein, anstatt in Ghana. Das war wirklich strange!

In dieser Mall haben wir uns SIM-Karten gekauft und haben Passfotos machen lassen. Eigentlich habe ich schon 4 Passfotos für mein Visum abgegeben, aber na ja… Ghana eben.

Nachdem wir alles Notwendige hatten, sind wir wieder zum AFS-Büro gefahren, wo unser AFS-Bus und unser Essen gewartet haben (es gab Hühnchen mit Pommes). Dann wurden wir geschwind zum Pink Hostel gefahren, wo wir uns kurz frisch machten, und von dort ging es weiter zu „MUSIC MUSIC“.

Niemand wollte uns verraten, was das ist.

Als wir auf dem Parkplatz ankamen, dachte ich zuerst wir gehen zu einem Geheimtreffen; so sah es dort zumindest aus.

Wir gingen zu irgendeinem verwinkelten Eingang und durch einen schwarzen Vorhang.

Tja, und dann waren wir da: in einer ghanaischen Fernsehshow namens „MUSIC MUSIC“. Anscheinend wird diese Sendung von ungefähr 6 Mio. Zuschauer jeden Samstagabend angeschaut – und wir waren mittendrin! Das Set sah zwar ein bisschen provisorisch aus und ich könnte wetten, die Musiker haben alle Playback gespielt, aber es war echt ein lustiger und wunderschöner Abend.

Verschiedene Schwarze Musiker aus den unterschiedlichsten Ländern mit den unterschiedlichsten Musikstilen traten auf und wurden von zwei sehr gestylten Ladies moderiert. Es wurde Rap gespielt, so etwas ähnlichem wie Salsa, Hip-Hop, …

Sogar eine Gruppe aus der Elfenbeinküste war vertreten. Das, was mich aber am meisten beeindruckt hatte war mit was für einer Leidenschaft das Publikum mitgefiebert hat. Jeder ist von seinen Plastikstühlen aufgestanden und hat getanzt. Irgendwann erklärten uns die anderen Freiwilligen, die schon 5 Monate hier sind, warum sie uns nicht erklärt haben, wohin wir gehen. Als sie nämlich bei ihrem On-Arrival zu MUSIC MUSIC gegangen sind, musste einer von ihnen den CRAZY DANCE machen. Das heißt, vor laufender Kamera so verrückt wie möglich auf der Bühne zu tanzen. Zum Glück war keine Zeit mehr in der Sendung, in der einer von uns auf die Bühne gemusst hätte.

Obwohl Hadewig, eine Freiwillige aus Belgien, sich sogar freiwillig dazu bereit erklärt hätte.

Am nächsten Morgen stand Kirche und Strand auf dem Plan.

Leider hatte unser AFS-Busfahrer keine Lust in die Kirche zu gehen und ließ uns deshalb 3 Stunden vor unserem Hotel warten, bis Stef, eine Volunteer von AFS Ghana, ihn anrief und sagte, wir lassen das mit der Kirche und gehen gleich an den Strand. Da war der Busfahrer sofort da.

Als wir wieder zurück ins Hostel gefahren wurden, mussten wir erstmal packen. Denn Paul sagte uns, dass wir am nächsten morgen schon um 4 Uhr vor dem Hostel warten sollten. Mein Zimmer und ich waren uns sicher, dass das bestimmt Ghanian Time war.

Blöd nur, dass Paul um 4 Uhr an unsere Tür klopfte und fragte, ob wir fertig seien.

Um 6 Uhr saßen wir dann auch schon im Bus nach Sunyani. Insgesamt sind wir 8 Stunden gefahren. Eigentlich sind es nur 350km, aber aufgrund der Straßenbeschaffenheit brauchten wir doppelt so lange. Dafür haben wir aber schon ein bisschen Landschaft gesehen.

Als ich mit Lore, einer Belgierin, in Sunyani aus dem Bus stiegen, konnten wir erstmal nicht unsere Kontaktperson anrufen und standen dumm in der Gegend herum. Nach einer Weile rief uns Franklyn (unsere Kontaktperson) zurück und fragte uns wo wir seien. Nach einigem Hin und Her kam endlich ein Auto angefahren mit meinem Gastbruder, meiner Gastmutter, Theodora (meiner 6 Monaten alten Gastschwester) und Franklyn. Zuerst fuhren wir zu Lores Gastfamilie und danach zu meiner. Davon erzähl ich aber im nächsten Eintrag.

Liebe Grüße,

eure Janna

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